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17.03.2016 - Land
Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz: Inklusiver Unterricht in Hessen wird kontinuierlich ausgebaut

4.200 Lehrkräfte zur sonderpädagogischen Unterstützung und Unterrichtsversorgung an allgemeinen Schulen und Förderschulen

Immer mehr allgemeine Schulen unterrichten Schülerinnen und Schüler, die (sonderpädagogische) Unterstützung benötigen. Dies ist ein zentrales Ergebnis zum Stand der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen und zum Stand der Entwicklung der Sonderpädagogik im laufenden Schuljahr 2015/2016, das Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz gestern im Kulturpolitischen Ausschuss des Hessischen Landtags vorstellte. So besuchen rund 23.000 Schülerinnen und Schüler im laufenden Schuljahr eine Förderschule (ohne Vorklassen). „Damit ist die Förderschulbesuchsquote von 4,42 Prozent im Vorjahr auf 4,28 Prozent gesunken. Diesem Rückgang steht eine deutliche Steigerung der Anzahl der Schülerinnen und Schüler von 7.200 auf 7.900 gegenüber, die an allgemeinen Schulen inklusiv beschult werden. Dies entspricht einer Steigerung um rund 10 Prozent“, erklärte Lorz. Davon besuchen 45,2 Prozent eine Grundschule und 54,8 Prozent weiterführende Schulen.

Kein ‚Etikett‘ für Schülerinnen und Schüler

Darüber hinaus erhalten rund 30.000 Schülerinnen und Schüler sonderpädagogische Beratung und Förderung an allgemeinen Schulen in Form von vorbeugenden Maßnahmen, ohne dass ein Anspruch festgestellt wird. „Insbesondere diese Förderung, die dazu beiträgt, dass Schülerinnen und Schüler erst gar kein ‚Etikett‘ bekommen, ist eine herausragende Leistung der Beratungs- und Förderzentren und der allgemeinen Schulen in Hessen. Sie wird bei der Veröffentlichung von sogenannten Inklusionsquoten oft völlig außer Acht gelassen“, ergänzte der Kultusminister.

3.792 Entscheidungsverfahren wurden für das Schuljahr 2015/2016 abgeschlossen. Lediglich in 182 Fällen ergab sich, dass kein Anspruch auf eine sonderpädagogische Förderung festgestellt wurde. Im Vorjahr waren dies noch 350 Fälle. „Auch hier zeigt sich, dass die Diagnosefähigkeit der allgemeinen Schule weiter an Sicherheit gewinnt und die hessische Linie der ‚Prävention vor Feststellung‘ immer besser greift“, so Lorz.

2.080 Schüler neu in die Inklusive Beschulung aufgenommen

2.080 Schülerinnen und Schüler konnten neu in die Inklusive Beschulung aufgenommen werden. Hinzu kommen 783 Verlängerungen von Maßnahmen der Inklusiven Beschulung, so dass für insgesamt 2.863 Schülerinnen und Schüler die Inklusive Beschulung für das angelaufene Schuljahr befürwortet werden konnte. Bei 1.655 Schülerinnen und Schülern (57,8 Prozent) lag ein Anspruch auf sonderpädagogische Förderung im Förderschwerpunkt Lernen vor.

Keine einstimmige Empfehlung für eine Inklusive Beschulung ergab sich in 47 Fällen (Vorjahr 51 Fälle), was einer Quote von lediglich 1,2 Prozent entspricht. Hier konnte dem Antrag auf Inklusive Beschulung nach einer sorgfältigen Einzelfallprüfung durch die Staatlichen Schulämter nicht stattgegeben werden, weil für eine Inklusive Beschulung die notwendigen personellen, räumlichen oder sächlichen Voraussetzungen nicht gegeben waren oder geschaffen werden konnten beziehungsweise pädagogische Erwägungen ausschlaggebend waren. In 340 Fällen fiel die Entscheidung einstimmig für den Besuch einer Förderschule. Hier hat sich das Verhalten der Lehrkräfte und Eltern im Vergleich zum Vorjahr kaum geändert. Die Vorjahreszahl lag bei 332 Fällen. Förderschulen stellen in Hessen somit weiterhin ein attraktives Bildungsangebot dar und decken mit ihrer hohen Kompetenz spezifische Bedarfslagen von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen und Beeinträchtigungen ab.

Bis zum Schuljahr 2018/2019 rund 250 zusätzliche Stellen

Im laufenden Schuljahr sind rund 2.000 Lehrerstellen zur sonderpädagogischen Unterstützung der allgemeinen Schule eingesetzt und rund 2.200 Förderschullehrerstellen dienen der Grundunterrichtsversorgung in den Förderschulen (ohne Klinikschulen). Dieses Gesamtbudget für die sonderpädagogische Förderung wird auf dem Niveau des laufenden Schuljahres mit Stand vom Oktober 2015 hessenweit festgeschrieben und garantiert. Zusätzlich wird es bis zum Schuljahr 2018/2019 rund 250 zusätzliche Stellen für den inklusiven Unterricht geben. Damit sollen hessenweit (verteilt über drei Jahre) auch die neuen „inklusiven Schulbündnissen“ unterstützt werden. Sie starten im kommenden Schuljahr und haben das Ziel, die verfügbaren sonderpädagogischen Lehrerstellen vor Ort flexibler und entsprechend dem Elternwunsch auf die inklusive Beschulung an allgemeinen Schulen auf der einen Seite und den Förderschulen auf der anderen Seite einzusetzen.

Die „inklusiven Schulbündnisse“ werden ergänzend zu den Modellregionen „Inklusive Bildung“ eingerichtet und greifen eine Anregung des Bildungsgipfels auf, der auf den besonderen Stellenwert der regionalen Netzwerk- und Bündnisarbeit hingewiesen hat. In den „inklusiven Schulbündnissen“ erhalten die Akteure vor Ort mit dem Wissen um die lokalen Gegebenheiten mehr Handlungsspielraum und mehr Eigenverantwortung und nutzen die formellen und informellen Kontakte.

Neun Modellregionen „Inklusive Bildung“

Aber auch die Modellregionen „Inklusive Bildung“ haben sich gut entwickelt. Zu den bereits vier existierenden Modellregionen (Wiesbaden, Hochtaunuskreis, Wetteraukreis und Landkreis Offenbach) kamen im laufenden Schuljahr 2015/2016 mit der Stadt Frankfurt, dem Landkreis Groß-Gerau zusammen mit den Städten Rüsselsheim und Kelsterbach, der Stadt Hanau, dem Main-Kinzig-Kreis und der Stadt Kassel fünf weitere Modellregionen mit sieben beteiligten Schulträgern hinzu. Die Modellregionen „Inklusive Bildung“ stehen für gut durchdachte vertiefte Veränderungsprozesse mit einem sukzessiven Ausbau des inklusiven Unterrichts in Zusammenarbeit mit den Schulträgern.

„Mit unseren Modellregionen und den ‚inklusiven Schulbündnissen‘ sind wir auf einem sehr guten Weg. Wir ermöglichen immer mehr Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigung oder Behinderung in Hessen den Besuch der allgemeinen Schule“, betonte Kultusminister Lorz zusammenfassend. „Dies geht nur durch die engagierte Arbeit unserer vielen Lehrkräfte an der allgemeinen Schule, aber auch der Lehrerinnen und Lehrer der Beratungs- und Förderzentren sowie an den Förderschulen im Sinne einer inklusiven Schulentwicklung, für die ich an dieser Stelle ganz herzlich danken möchte.“

Themengebiet: Schule, Inklusion