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04.03.2016 - Land
Sozialminister Stefan Grüttner: Das ist Integration von Beginn an

Anlässlich der dreitägigen Fachtagung des Sigmund-Freud-Instituts zu den Themen Migration, Flucht und Trauma, betonte der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner, dass Flucht und Migration zwar immer mit Aufbruch und Hoffnung auf ein besseres Leben verbunden seien aber auch immer mit vielen Verlusterfahrungen und daraus resultierenden Ängsten. „Ich bin daher froh, dass wir uns gemeinsam mit dem Sigmund-Freud-Institut dieser Themen annehmen und das Modellprojekt STEP-BY-STEP in Darmstadt ins Leben gerufen haben“, so der Minister in Frankfurt.

Modellprojekt STEP-BY-STEP

Mit dem vom Land Hessen unterstützten Modellprojekt STEP-BY-STEP werde den Menschen eine erste Sicherheit in einer für sie neuen und völlig fremden Umgebung gegeben. „STEP-BY-STEP geht über die erste Behandlung der traumatischen Erlebnisse hinaus. Durch das Erleben der Alltagsstrukturen vermitteln wir unsere Sprache und die Werte unserer Gesellschaft. Das ist Integration von Beginn an und die Ergebnisse des Projektes in Darmstadt sollen wir unsere weiteren Einrichtungen nutzbar gemacht werden“, erläuterte Grüttner.

Die Einrichtung in Darmstadt, „das Michaelis Dorf“, biete den Flüchtlingen Sicherheit und Schutz. Dem Gefühl der Entwurzelung, der Einsamkeit und der Unsicherheit werde aktiv entgegengewirkt. „Dafür sind Alltagsstrukturen, Kontakt und Beziehungen untereinander entscheidend: Wie in einem Dorf soll ein erstes Gefühl der Gemeinschaft, eines ersten Ankommens und Aufgehobenseins entstehen, was sich, wie viele Studien zeigen, als entscheidend für die spätere Integrationsbereitschaft der Flüchtlinge auswirkt", so Grüttner. Gemeinsam mit dem Sigmund-Freud-Institut und der Goethe-Universität wurde dieses Pilotprojekt im Januar 2016 in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Darmstadt gestartet, um traumatisierten Flüchtlingen – und hier insbesondere Frauen, Kindern und Jugendlichen- frühe Hilfen zu garantieren und eventuell anschließende Therapien zu planen. Die Angebote sollen den geflüchteten Menschen eine sichere Orientierung, einen ersten Halt und verlässliche Beziehungserfahrungen ermöglichen, um Gewalt und Re-Traumatisierungen entgegenzuwirken. Das Michaelishaus in Darmstadt – eine der ersten Einrichtungen dieser Art – hat ein Frauen- und Familienhaus, um den geflüchteten Frauen einen besonderen Schutzraum zu geben.

„Traumatisierungen sind Erfahrungen, in denen Menschen extremen Gefühlen von Verzweiflung, Ohnmacht und Hilflosigkeit ausgesetzt sind, meist verbunden mit Todesangst. Zudem bricht das Urvertrauen in ein helfendes Gegenüber und ein aktives Selbst zusammen. Daher reagieren Traumatisierte auf die eben erwähnten Migrationserlebnisse und auf erneute Erfahrungen von Passivität und Ohnmacht besonders verletzlich. Viele Studien zeigen, wie wichtig es ist, traumatisierten Menschen möglichst bald Hilfe anzubieten, um Langzeitfolgen für sie und die nachkommenden Generationen zu mildern. Allerdings muss zuerst Vertrauen aufgebaut werden“, erläuterte Frau Professor Dr. Leuzinger-Bohleber vom Sigmund-Freud-Institut.

Flüchtlingsfrauen schnell und unkompliziert Hilfe anbieten

Durch die Zusammenarbeit mit der besonderen Expertise des Sigmund-Freud-Instituts unter der Leitung von Frau Prof. Leuzinger-Bohleber, der Goethe-Universität und dem Betreuerteam vor Ort, sei es möglich, insbesondere den Flüchtlingsfrauen schnell und unkompliziert Hilfe anzubieten, die traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten und Vertrauen in andere Menschen zurückzugewinnen.

„Das Pilotprojekt in Darmstadt ist bundesweit das erste seiner Art. Die Infrastruktur des Standortes ist sehr geeignet, um zu sehen, wie die Bedürfnisse von „traumatisieren Flüchtlingen“ sowie „Frauen mit Kindern“ sind. Erkenntnisse können dann auch auf andere Standorte übertragen und für diese nutzbar gemacht werden. Ich gehe davon aus, dass hier ein erheblicher Mehrwert für alle Einrichtungen in Hessen generiert wird“, erklärte der Hessische Sozialminister.

„Ziel ist, jedem Flüchtling pro Tag ein Angebot zu geben, in dem er aktiv gefördert wird („etwas bekommt“) und weitere zwei Stunden eine Eigenaktivität entfalten kann, in dem er persönlich eine Tätigkeit für das Dorf ausführt („etwas gibt“). Ich finde es eine großartige Leistung, dass das Team vor Ort innerhalb weniger Wochen für alle Altersgruppen im „Dorf“ mindestens einmal wöchentlich einen „Sprachkurs“ sowie einen täglichen Kindergarten organisiert hat. Die Angebote des Sigmund-Freud-Instituts und der Goethe-Universität sind Ergänzungen dieser Möglichkeiten“, lobte der Minister.

Die Angebote sind „FIRST STEPS“ und ergänzen die schon entwickelten Angebote vor Ort. Sie werden von den Projektleiterinnen, erfahrenen und jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Sigmund-Freud-Instituts sowie Wissenschaftlerinnen und Studierenden der Goethe Universität Frankfurt in enger Kooperation mit den Fachkräften und den ehrenamtlichen Helfern im „Dorf“ realisiert. Zu den angebotenen Aktivitäten zählen Deutschkurse, getrennt voneinander stattfindende Jugendtreffs für Mädchen und Jungen, Mal- und Bastelkreise für Kinder, Abendprogramme für Erwachsene und weitere soziale Mitmachaktionen. Prof. Dr. Andresen von der Goethe Universität Frankfurt am Main ergänzt: „Denn Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf den heutigen Tag, auf Anregung, Förderung, Erziehung und Bildung von Anfang an.“

Therapeutische Maßnahmen

Weiterhin wurde das Angebot an therapeutischen Maßnahmen deutlich erweitert:

  • Die medizinisch/zahnärztlichen Sprechstunden sowie die Beratungszeiten von Pro familia werden durch therapeutische/psychosomatische Sprechstunden ergänzt.
  • Wöchentliche Gruppen für Schwangere und Mütter mit Kleinkindern werden professionell und kultursensitiv gefördert.
  • Kindertherapeuten besuchen den Kindergarten und Sprachgruppen zur Früherkennung von möglichem Förderungsbedarf.
  • Aufbau einer „pädagogischen Sprechstunde“
  • Etablierung von Gruppengesprächen zu verschiedenen Themen, die Vertrauen schaffen sollen, um auch sensible Anliegen besprechen zu können.

Alle Angebote zur Betreuung, Beratung und Bildung von Kindern, Jugendlichen und Familien sind niedrigschwellig.

Das Pilotprojekt wird wissenschaftlich ausgewertet, um fundierte Erkenntnisse zu erhalten, welche Angebote besonders wirksam und auch auf andere Standorte übertragbar sind. Auch mit Blick auf die langfristige Integrationsaufgabe eine wichtige Vorgehensweise. Eine erste Evaluation der Arbeiten mit den Flüchtlingen wird nach sechs, eine weitere differenziertere nach zwölf Monaten erfolgen.

Wichtige Erkenntnisse zu Migration, Flucht und Strategien zur Traumabewältigung

Abschließend betonte Grüttner: „Nicht nur Flüchtlinge profitieren von dem Projekt. Auch die Studierenden sammeln unter der Anleitung erfahrener Fachkräfte wichtige Qualifikationen, die sie in ihrem späteren Berufsleben sehr gut gebrauchen können. Die Wissenschaft erhält wichtige Erkenntnisse zu Migration, Flucht und Strategien zur Traumabewältigung.“

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Themengebiet: Integration, Sicherheit