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05.11.2015 - Land
Sozialminister Stefan Grüttner: Verleihung des Elisabeth-Selbert-Preises

Anlässlich der Verleihung des Elisabeth-Selbert-Preises sagte der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner, am Donnerstag: „Die Preisträgerinnen haben sich in jeweils ganz besonderer Weise, mit hervorragenden Leistungen und gestalterischer Kraft für die Verankerung und Weiterentwicklung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft eingesetzt. Ich freue mich, ihnen für diese Leistung heute den Elisabeth-Selbert-Preis überreichen zu können.“ Der Preis 2015 geht zu gleichen Teilen an die Filmemacherin und Produzentin Uschi Madeisky aus Frankfurt sowie an das Team des Elisabeth-Selbert-Films „Sternstunde ihres Lebens“ mit Ulla Ziemann als Autorin, Erica von Moeller als Regisseurin und Juliane Thevissen als Produzentin.

Grüttner überreichte den Preis der Hessischen Landesregierung im Rahmen eines Festaktes in Wiesbaden. Die Laudatio hielten die ehemalige Bürgermeisterin der Stadt Köln Angela Spizig und die Autorin und Kulturforscherin Dagmar Margottsdotter-Fricke aus Wedel. Der Jury des Elisabeth-Selbert-Preises gehören der Minister Grüttner (Jurypräsident), Prof. Dr. Ulrike Detmers (Professorin für Betriebswirtschaft und Unternehmerin), Prof. Dr. Gertrud Höhler (Publizistin und Unternehmensberaterin), Eva Kühne-Hörmann (Hessische Ministerin für Justiz), Brunhilde Raiser (Deutscher Frauenrat) und Maria von Welser (Journalistin, Elisabeth-Selbert-Preisträgerin 2007 und stellvertretende Vorsitzende von UNICEF Deutschland) an.

Die Mitglieder der Jury freuten sich besonders, so Grüttner, dass mit der Produzentin Uschi Madeisky eine Frau geehrt würde, die auf ein mehr als vierzigjähriges umfangreiches Lebenswerk als Filmemacherin und Produzentin zurückblicken könne.  Die im bayrischen Altmühltal geborene Preisträgerin verzog schon in frühster Jugend mit ihren Eltern nach Frankfurt. Ihr filmischer Werdegang nahm 1973 seinen Anfang mit Produktionen zu pädagogischen, kulturellen, gesundheitlichen und Jugendthemen für öffentlich rechtliche Fernsehanstalten und Bildungseinrichtungen.  Eng verknüpft mit ihrer Tätigkeit ist ihr Engagement für die Belange weiblicher Kulturschaffender. Mit drei weiteren Stifterinnen gründete sie im Jahr 2000 die Stiftung „maecenia“ für Frauen in Wissenschaft und Kunst. Einzigartig ist ihr Dokumentarfilmwerk über zeitgenössische matriarchale Gesellschaften in China, Indien, Mikronesien und Eritra, das sie zugleich als Anregung für die Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft verstanden wissen möchte. Uschi Madeiskys Filme lenken den Blick nicht nur auf die in der Ferne lebenden Völker , sondern geben darüber hinaus auch eine Vielzahl von zukunftsweisenden Impulsen für ein friedliches und partnerschaftliches Miteinander von Frauen und Männern. Die besondere Preiswürdigkeit des künstlerischen Schaffens von Uschi Madeisky wird durch ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Originalität bei der filmischen Erkundung des Zusammenlebens von Frauen und Männern im Zeichen von Toleranz und Respekt unterstrichen. In einer Welt, in der Mädchen und Frauen allein wegen ihres Geschlechts Gewalt erfahren und häufig als wertlos gelten, vermitteln die mit einer starken visionären Kraft und vielen positiven Beispielen weiblicher Stärke ausgestatteten Filme der Preisträgerin Ermutigung, Selbstachtung und Identitätsstiftung.

Die weiteren Preisträgerinnen Ulla Ziemann, Erica von Moeller und Juliane Thevissen behandeln in dem Fernsehfilm „Sternstunde ihres Lebens“ den Kampf Elisabeth Selberts um die Aufnahme des  nun in Art. 3 des Grundgesetzes aufgeführten Gleichheitssatzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“. Die 1896 geborene Selbert musste trotz guter Schulnoten allein wegen ihres Geschlechts als 16jährige die Realschule ohne Abschluss verlassen. Erst im Jahr 1926 – als 30 jährige Mutter von zwei kleinen Kindern – holte sie ihr Abitur nach und absolvierte das Jurastudium in Marburg in nur sechs Semestern. Als eine der letzten Frauen erhielt sie zu Beginn der nationalsozialistischen Diktatur die Zulassung als Rechtsanwältin. Hier war sie nahezu täglich mit den Nöten von Frauen, deren Ehen gescheitert waren, konfrontiert. Nach Ende des Krieges wurde sie in verschiedene Gremien zur Neuordnung der Justiz berufen. 1948 folgte dann die Berufung in den Parlamentarischen Rat nach Bonn, der die Verfassung für die Bundesrepublik Deutschland erarbeitete. An dieser Stelle setzt „Sternstunde ihres Lebens“ ein. Als Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin haben es die Preisträgerinnen auf vorbildliche Weise verstanden, das Wirken und die besonderen Verdienste von Elisabeth Selbert atmosphärisch dicht und spannend zu visualisieren. Der „hessischen Mutter“ des Grundgesetzes wird mit dem Film und dem namhaften Darstellerstab um Iris Berben und Anna Maria Mühe in den Hauptrollen von Elisabeth Selbert und ihrer Sekretärin Lankwitz ein würdiges Denkmal gesetzt. Mit „Sternstunde ihres Lebens“ liege eine anschauliche, prägnante und zeitlose Aufarbeitung der Geschichte der rechtlichen Gleichstellung von Frauen in Deutschland vor, die es in dieser Form für eine große Öffentlichkeit bislang noch nicht gegeben habe, unterstrich der Staatsminister. Gerade die jüngere Generation werde durch den Film wirkungsvoll angesprochen.

Hintergrundinformationen zum Elisabeth-Selbert-Preis

Der Elisabeth-Selbert-Preis wird seit 1983 von der Hessischen Landesregierung verliehen. Der Preis trägt den Namen der hessischen Juristin und Politikerin Dr. Elisabeth Selbert aus Kassel. Die Aufnahme der Gleichberechtigung in die bundesdeutsche Verfassung war zum großen Teil ihr Verdienst. Elisabeth Selbert setzte 1949 bei den Verhandlungen im Parlamentarischen Rat über das Grundgesetz den Gleichberechtigungsgrundsatz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ durch und wird als eine der „Mütter des Grundgesetzes“ bezeichnet. Mit dem Elisabeth-Selbert-Preis werden Frauen und Männer ausgezeichnet, die sich in hervorragender Weise mit gestalterischer Kraft für die Verwirklichung der Chancengleichheit von Männern und Frauen in der Gesellschaft eingesetzt haben. Der Preis wird bundesweit ausgeschrieben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird in einem Zwei-Jahres-Rhythmus verliehen.

Themengebiet: Soziales, Auszeichnung