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Dr. Christean Wagner, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag und früherer Kultusminister in Hessen
In der "Leipziger Volkszeitung" wurde am Wochenende nachfolgender Namensbeitrag vom Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Dr. Christean Wagner, in Auszügen veröffentlicht:

Vielfalt fördert alle!

von Dr. Christean Wagner, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag und früherer Kultusminister in Hessen

Mit dem am vergangenen Montag im Bundesvorstand der CDU vorgelegten Papier „Bildungsrepublik Deutschland“ droht die Union ohne Not ein Alleinstellungsmerkmal ihrer erfolgreichen Bildungspolitik zu opfern. Das Papier propagiert ein für alle Länder verpflichtendes sogenanntes Zwei-Säulen-Modell. Danach soll es in Zukunft neben dem Gymnasium nur noch eine Oberschule geben. Damit folgt die Union dem politischen Meinungsstrom und „verabschiedet sich von der Hauptschule“, wie namhafte Zeitungen titeln. Beifall gibt es von linken Gewerkschaften und der Opposition, die die Union auf dem Weg zu ihrem Ziel einer Einheitsschule sehen.

Mehrere Gründe berechtigen die Frage: Warum tun wir uns das an? Das vielfältig gegliederte Schulwesen hat sich in Deutschland als Erfolgsmodell erwiesen. Jedes Kind wird hierzulande entsprechend seiner Begabungen gefördert und gefordert. Die Bildungspolitik der Union hat sich immer an diesen Belangen der Kinder ausgerichtet. Die positiven Zahlen der unionsregierten Länder Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Thüringen und Hessen hinsichtlich Abschlussquoten, Studierendenzahlen und erfolgreichen Berufseinsteigern sprechen im Ländervergleich für sich. Deshalb sollte die Union weiterhin nicht eine Schule für alle, sondern die richtige Schule für jeden anstreben.

In dem im Dezember 2007 verabschiedeten Grundsatzprogramm der CDU Deutschlands heißt es wörtlich: „Das vielfältige gegliederte Schulwesen hat sich bewährt und erfolgreich weiterentwickelt. Das Konzept der Einheitsschule lehnen wir ab. Unsere Devise lautet vielmehr: Für jeden Abschluss einen Anschluss. Es müssen die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit die Schulen stetig besser und den Schülern gerecht werden.“ Dieses Programm wurde durch eine Initiative der bildungspolitischen Sprecher der Union ausdrücklich unterstrichen. Unter dem Titel „Vielfalt fördert alle“ setzen sich die Unionsfraktionen für bundesweit vergleichbare Bildungsabschlüsse, Leistungsorientierung, bessere Unterrichtsqualität und Verlässlichkeit ein. Das Grundsatzprogramm und diese Beschlüsse respektieren die unterschiedlichen Entwicklungen in den Ländern.

Die Suche nach einheitlichen Begriffen darf nicht dazu führen, dass die Schulmodelle in den Ländern über einen Kamm geschoren werden. In Hessen gibt es beispielsweise die historisch gewachsene Besonderheit der Integrierten und Kooperativen Gesamtschulen. Wer eine „Oberschule“ in Hessen einführen will, die Haupt- und Realschüler zusammenfasst, müsste die Gesamtschulen auflösen und würde damit das gymnasiale Angebot im ländlichen Raum verdünnen.

Völlig außer Blick geraten in der Diskussion um eine „Oberschule“ ist die Tatsache, dass die Realschulen in Deutschland mustergültig arbeiten und ihre Vereinnahmung beziehungsweise Beseitigung durch die „Oberschule“ eine große bildungspolitische Torheit wäre. Hinzu kommt: Die bloße Umbenennung einer Schulform löst die Probleme nicht. Man kann zwar die Hauptschule abschaffen, nicht aber die Hauptschüler. Deshalb ist es sinnvoller, über mögliche Veränderungen in der Ausgestaltung der Hauptschulpädagogik nachzudenken, als eine Namens- oder Schulstrukturdebatte zu führen. Hauptschulpädagogik muss stärker praxisorientiert sein. Es ist eine unlängst gesicherte Erfahrung, dass Hauptschüler zu höheren Leistungen und Motivationen fähig sind, wenn der Unterricht größere Anteile an Berufsbezug enthält. Ein weiterer Schwerpunkt muss die Verbesserung der Lehrerausbildung sein. Gut ausgebildete Lehrer sind der Garant für erfolgreiche Schüler. Hessen reagiert mit der Einführung eines Praxissemesters auf die veränderten Anforderungen an den Lehrerberuf.

Das differenzierte Schulsystem muss als Markenkern der Union erhalten bleiben. Nebenbei würde die Union damit dem mehrheitlichen Wunsch der Bevölkerung nach einem gegliederten Schulwesen folgen. Einer repräsentativen Forsa-Umfrage vom September 2009 zufolge lehnen mehr als 60 Prozent der Bundesbürger die Einführung einer Einheitsschule ab. Dagegen spricht sich eine überwältigende Mehrheit von 89 Prozent für den Erhalt der Gymnasien aus.

Die Annahme, mit der Umbenennung einer Schulform könne man den beschriebenen Problemen entgegnen, ist ein Trugschluss. Im Gegenteil. Wird dieser Beschluss umgesetzt, droht der Union der Verlust eines weiteren Markenkerns Ihrer erfolgreichen Politik.