Herzlich Willkommen
bei der CDU Hessen
Erst Deutsch, dann Schule - Wie Integration in Hessen gelingt
Ein Gastkommentar des Hessischen Ministerpräsidenten in der Zeitung "Die Welt"

Die Realität war aber eine andere: Immer mehr Eltern verfestigten ihren Aufenthalt in Deutschland, holten ihre Kinder zu sich, die dann völlig unvorbereitet in das Schulsystem gesteckt wurden. Die naturgemäß vorhandenen Sprachdefizite wurden während der gesamten Schulkarriere nicht ausgeglichen, sondern sorgten vielmehr dafür, daß dem Unterrichtsstoff nicht gefolgt werden konnte. Viele ausländische Jugendliche ohne Beherrschen der deutschen Sprache, ohne Schulabschluß, ohne Lehrstelle, ohne Job - das war das traurige Ergebnis. Statt Integration ein Dasein außerhalb unserer Gesellschaft.Integration in der Schule lief also in die verkehrte Richtung. Zuerst haben wir den muttersprachlichen Unterricht Schritt für Schritt runter gefahren und fördern stattdessen den Erwerb der deutschen Sprache. Seit vier Jahren durchlaufen nun etwa 10 Prozent der jährlich rund 60 000 Schulanfänger in Hessen einen neunmonatigen Deutsch-Vorlaufkurs. Die Mehrzahl der Kinder ist ausländischer Herkunft - mehr als 90 Nationalitäten lassen sich in den jährlich über 700 Kursen zählen. Unter den insgesamt aktuell 6000 Kindern in den Kursen finden sich aber auch knapp 500 mit Deutsch als Muttersprache.Um den Kindern mit Sprachdefiziten das Zurückstellen von der Einschulung und damit ein Jahr Zeitverlust zu ersparen, hat die Landesregierung die Schulanmeldung und den darin enthaltenen Sprachtest weit vor den Einschulungstermin gelegt. Kinder, die den Test nicht bestehen, haben damit Zeit genug, den Kurs vor dem Schuljahresbeginn zu absolvieren. Durch die vorgezogene Schulanmeldung fangen die Vorlaufkurse im Übrigen auch Kinder mit Sprachdefiziten auf, die keinen Kindergarten besucht haben.Von Anfang an stand das Deutsch-Lern-Angebot hoch im Kurs: 96 Prozent - also nahezu alle für den Vorlaufkurs empfohlenen Kinder, wurden von ihren Eltern auch hingeschickt. Von diesen konnten wiederum beinah alle - 96,7 Prozent - dann auch eingeschult werden. Ein voller Erfolg für die Kinder, ein voller Erfolg für das Gesetz und ein voller Erfolg für Hessen. Nachahmer ließen denn auch nicht lang auf sich warten. Die Vorlaufkurse wie auch andere Maßnahmen aus dem Integrationsförderpaket Hessens entwickelten sich schnell zum "Exportschlager": Hamburg, Brandenburg, Baden-Württemberg, Sachsen und Berlin haben sich unser Modell des Integrationsbeirats zu eigen gemacht, bei der vorschulischen Sprachförderung sind Baden-Württemberg, Berlin und Nordrhein-Westfalen unserem Weg gefolgt. Auch Bayern hat in diesen Tagen der Sprachförderung absolute Priorität zugemessen.

Wer in Deutschland zur Schule geht, sollte die deutsche Sprache beherrschen. Wer in Hessen zur Schule geht, muß sie beherrschen. Bereits 2002 hat die Hessische Landesregierung dieses Muß per Gesetz festgeschrieben und dazu Sprachtests vor der Einschulung eingeführt. Im Gegenzug verpflichtete sich das Land, den Kindern mit Sprachdefiziten Kurse zum vorschulischen Erwerb der deutschen Sprache anzubieten - und zwar landesweit, flächendeckend und für alle. Bei Regierungsantritt in Hessen im Jahr 1999 fanden wir eine untragbare Situation vor: Der Deutschunterricht nach Stundentafel wurde nicht erteilt. Dafür waren mehrere hundert Lehrer eingesetzt, um muttersprachlichen Unterricht zu erteilen. Dahinter stand noch immer das Bild, daß die Kinder der "Gastarbeiter" nach wenigen Jahren in ihr Heimatland zurückkehren.