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DEBATTE
Wir brauchen mehr HessenEin Beitrag von Stefan Grüttner MdL, Hessischer Staatskanzleiminister

Kinder zu bejahen, auch Alter zu bejahen - das sind psychologische Grundanforderungen an eine Gesellschaft mit einer niedrigen Geburtenrate und einer steigenden Lebenserwartung. Der demographische Wandel – der Zwischenbericht der Enquêtekommission des Hessischen Landtags «Demographischer Wandel – Herausforderung an die Landespolitik» zeigt es unwiderlegbar – findet auch in Hessen statt. Die Vorausberechnungen für die Jahre bis 2050 sagen uns: Die Hessen werden älter; sie werden weniger und das trotz einer nicht unerheblichen Zuwanderung. Dass dabei ein regionales Gefälle zu Lasten des Nordens und zu Gunsten des Südens des Landes mit dem Rhein-Main-Gebiet und seiner Sogwirkung entsteht, macht die Herausforderung für Landespolitik nicht kleiner. Der demographische Wandel lässt nahezu kein politisches Aufgabenfeld unberührt. Das macht es notwendig, diese Querschnittsaufgabe in der Landespolitik zu koordinieren. Die hessische Landesregierung hat diese Aufgabe mir als Chef der Staatskanzlei übertragen, was bedeutet, dass ich in den vergangenen Monaten zahlreiche Gelegenheiten hatte, bei meinen Besuchen in hessischen Kreisen und Städten einen konkreten Eindruck zu gewinnen, wie stark der demographische Wandel unsere Kommunen bereits trifft und wie darauf reagiert wird. Es sind die Kommunen in Hessen, die am unmittelbarsten die Folgen demographischer Veränderung zu spüren bekommen. Von daher stellt sich mir als eines der zentralsten Ergebnisse meiner Hessen-Tour die Notwendigkeit einer starken regionalen Verankerung des Themas Demographie verbunden mit einer durchdringenden Vernetzung der Akteure an Ort und Stelle dar. Diesem regionalen Vernetzungsgedanken wird das Land mit der Unterstützung entsprechender Modellvorhaben im Jahr 2006 Rechnung tragen. Wir haben uns vorgenommen, der demographischen Herausforderung in Hessen aktiv zu begegnen. Dabei setzen wir auch innerhalb der Landesregierung beim Thema Demographie verstärkt auf eine Vernetzung unserer Politik. Unsere Strategie für eine demographische Trendwende in Hessen baut darauf auf, wenn sie schwerpunktmäßig die Wirtschafts- und Familienpolitik in den Mittelpunkt rückt.Der Wert von Kindern für eine Gesellschaft – jedes bringt nach neuesten Berechnungen des ifo-Instituts dem Staat rund 77 000 Euro ein! – muss nicht nur in seinen beeindruckenden fiskalischen Dimensionen, sondern besonders im Hinblick auf ihre Bedeutung für das Miteinander in einer Gesellschaft wieder stärker artikuliert werden. Wir wissen heute, wie wesentlich die Zuversicht von jungen Menschen in ihre wirtschaftliche Zukunft für eine Familiengründung ist. In Hessen lässt es sich unbestritten gut und sicher leben. Trotzdem wollen wir insbesondere durch den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für zentrale Infrastrukturprojekte sowie eine regionale und sektorale Schwerpunktsetzung bei der Wirtschaftsförderung in Hessen Rahmenbedingungen unterstützen, die es Unternehmen ermöglichen, dauerhaft sichere Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu schaffen. Da wir in Hessen Ja zum Kind und zum Beruf sagen und beides für Mütter und Väter gleichermaßen vereinbar sein soll, unterstützen wir familienfreundliche Schul-, Studien-, Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen im Land. Das Zeitfenster für die Familiengründung soll in Hessen langfristig wachsen. Aber auch die Betreuung und Pflege von Angehörigen, eine qualitätsgesicherte Bildung, die Integration von hier lebenden Ausländern, Fragen der kulturellen Infrastruktur, der Konsolidierung der öffentlichen Finanzen sowie der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und vieles mehr sind Themen, die uns in den nächsten Jahren im Interesse der Standortattraktivität und Lebensqualität von Familien und zukünftigen Generationen in Hessen beschäftigen werden. Der demographische Wandel bricht nicht schicksalhaft über uns herein. Damit wir am Ende aber wirklich sagen können, dass mit 66 noch lange nicht Schluss ist, sollten wir uns zutrauen, den demographischen Wandel zu gestalten und für eine demographische Trendwende zu arbeiten. Nur dann wird es am Ende heißen: Mehr Hessen hat das Land.   Der Beitrag erschien am 6. Januar 2006 in der "Frankfurter Neue Presse"

Es war im Jahr 1978, als Udo Jürgens einen musikalischen Ohrwurm sang: «Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an!» 27 Jahre später staunen wir in einer Fernsehsendung über eine Frau, die mit 55 Jahren ihr 13. Kind zur Welt gebracht hat. Deutschland 2005: ein Land vor einer demographischen Herausforderung? Zweifellos ja, weil dieses Beispiel eine Ausnahme ist in einem Land, dessen Geburtenrate zu den niedrigsten weltweit gehört. Und trotzdem: Wenn ich auf Deutschland 2005 schaue, dann sehe ich ein Land, in dem vieles möglich ist, an dem man nicht verzweifeln muss, sondern in dem es nach wie vor erstrebenswert ist, Kinder in die Welt zu setzen und als eine Bereicherung für unsere Gesellschaft willkommen zu heißen.